»Direkt ins Herz«

Sabine Lamperski-Konitzer, 14.01.2018 über Medea:

Gleichgültig, ob ein bedrohlich-monotones Klangspiel das Geschehen begleitet (Kolchis) oder eine verwilderte E-Gitarre erklingt (Korinth), der Grundton der Geschichte, von der Inszenierung geistreich in Bilder und Klänge verwandelt, bleibt immer der gleiche: Das Fremde muss identifiziert, ausgesondert und vernichtet werden. So ist der »moderne« Kreon nicht weniger barbarisch als der im höfischen Ritual erstarrte Aietes von Kolchis.
Es war schon seltsam, wie betäubend, einen seltsamen Sog entfaltend die Musik vor der Pause auf uns wirkte, verbunden mit den puppenhaften Bewegungen und feierlich-bizarren Kostümen und dem deklamatorischen Ton, in dem der Text vorgetragen wurde. So erstickend wirkt eine ritualisierte Gesellschaft! Direkt ins Herz trifft im zweiten Teil die Härte der Korinther – da können sie noch so lässig auf dem Sofa lümmeln.
Heftig durchgerüttelt schleicht man von dannen und kommt erst in der Cumberland-Bar bei einem Bio-Riesling wieder zu sich…

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