body of work

Eine Wohnung im 4.Stock des Ihmezentrums. In der Mitte des Wohnzimmers ein Sofa. Darauf liegt ein nackter weiblicher Körper, inszeniert in der Pose eines »klassischen« Akts. Auf den zweiten Blick entpuppt sich dieser Körper als Foto einer unbekleideten Frau, gedruckt auf drei nebeneinander liegenden Sofakissen. Der weibliche Körper also keine lebendige Frau, sondern die Summe aus drei Objekten. Daneben verschiedene weitere »Körperteile«, scheinbar darauf wartend, zusammengesetzt zu werden. Ein TV-Set zeigt Filmsequenzen zur Produktionsgeschichte des Szenarios: die Frau, die als Akt auf dem Sofa liegt, druckt ihr eigenes Bild auf Stoff, näht, bestickt und drapiert es. In weiteren Räumen der Wohnung trifft man auf weitere Akt-Objekte, trifft auf die Frau, die sich daran macht, ein Stereotyp ihrer selbst zu produzieren und zur Schau zu stellen.

Mit body of work knüpft Katrin Ribbe an eine fortdauernde Beschäftigung mit feministischen Fragestellungen in ihren künstlerischen Arbeiten an. Nach der Auseinandersetzung mit Reproduktions- und Lohnarbeitsverhältnissen im Rahmen der Performance Aufstand aus der Küche, Re--‐Enactment und Aktualsiirung der Videoarbeit der amerikanischen Künstlerin Martha Rosler (The Semiotics of The Kitchen von1975) und b o s s, einer Portraitserie unterschiedlichster Frauen, die Boss sind, thematisiert sie mit body of work Parameter von Körper-und Liebesarbeit. body of work spiegelt, wie unsere Gesellschaft Frauen abbildet, welche Bilder wie genutzt werden, und wie Frauen sich selbst in diese gesellschaftlichen Bilder eingeschrieben haben, sich ihnen folgend präsentieren, sie zu erfüllen versuchen. Die Inszenierung des Körpers entlarvt, dass diese Bilder kein Zufallsprodukt oder auch nur ansatzweise individuell sind, sondern ein für das Fortbestehen gesellschaftlicher Produktionsverhältnisse disponierter, fast notwendiger Vorgang. – Teil dieses Vorgangs des Erfüllens der gesellschaftlichen Rolle findet in dem privaten Raum des Lebens statt: den eigenen vier Wänden. Diese werden auch nach verrichteter(Lohn--‐)Arbeit zur Produktions- stätte, wo sich »frau« scheinbar besten Gewissens auf den Weg macht, um zum Objekt zu werden, einem im wahrsten Sinne des Wortes »Bild« ihres eigenen Geschlechts zu entsprechen. Vermeintlich geschütz in ihren privaten Räumlichkeiten stützt sie ein kompliziertes Gefüge von Arbeitsstrukturen, Lohnerwerb, Reproduktion und Konsum. Body of work stellt die Frage: Welcher Art ist das Konstrukt und wer braucht es? Wer hat hier gebastelt und wozu?

 

17.-26.08.17, Ihmezentrum, Ihmepassage 7, täglich geöffnet 17:00-22:00 Uhr

Ausstellungseröffnung: 17.08.17, 19:30 Uhr

Finissage und Abschlussparty: 26.08.17, ab 20:00 Uhr